BESSERE FOTOS / REGEL 01
Kleine Bewegung.
Stärkeres Bild.
Manchmal erzählt ein Foto mehr, wenn das Hauptmotiv nicht genau in der Mitte steht. Die Drittelregel hilft dir, einen Platz dafür zu finden — und bewusst zu entscheiden, was daneben zu sehen sein soll. Probiere es beim nächsten Spaziergang aus.

Wähle ein Motiv. Platziere es nahe einer Linie oder einem Schnittpunkt. Prüfe, ob der übrige Bildraum die Geschichte unterstützt, die du erzählen möchtest.
Was ist die Drittelregel?
Stell dir zwei senkrechte und zwei waagerechte Linien vor, die dein Foto in neun gleich große Felder teilen. Sie verlaufen bei einem und zwei Dritteln der Breite beziehungsweise Höhe. Die vier Schnittpunkte dienen als Orientierung für wichtige Details.
Platziere das Hauptmotiv versuchsweise nahe einer senkrechten Linie und ein wichtiges Detail in der Nähe eines Schnittpunkts. Du musst nicht pixelgenau treffen. Die Drittelregel ist eine Gestaltungshilfe, keine Voraussetzung für ein gutes Foto.
Warum das Motiv aus der Mitte bewegen?
Denk an ein einzelnes Haus am Hang. Füllt es die Mitte, betrachtest du vor allem das Gebäude. Steht es weiter links, bleibt rechts Platz für einen Weg, Hügel und Licht. So kannst du auch von seiner Umgebung erzählen. Der Bildinhalt verändert sich; besser wird das Foto dadurch nicht automatisch.
Der Raum neben dem Motiv sollte etwas beitragen: eine Bewegungsrichtung, den Rhythmus von Bäumen, eine ruhige Wand oder die Weite der Landschaft. Tauchen dort vor allem eine Mülltonne, ein Schild oder ein helles Auto auf, hat das Raster das Problem nicht gelöst. Ändere deinen Standpunkt oder vereinfache den Ausschnitt.
So aktivierst du das Raster auf dem iPhone
Öffne in den Einstellungen den Bereich Kamera und aktiviere Raster. Du kannst zusätzlich Wasserwaage einschalten, um die Neigung des Geräts zu kontrollieren. Kehre anschließend zur Kamera-App von Apple zurück.
Diese Einstellung gehört zur Apple-Kamera. Das Raster auf dieser Seite veranschaulicht die Übung; es zeigt keine Oberfläche von Take PRO und verspricht diese Funktion nicht für andere Apps. Auch ohne eingeblendete Linien kannst du dir drei ungefähr gleich breite Streifen vorstellen.
Landschaft: zuerst das Hauptmotiv wählen
Suche einen Standpunkt, von dem aus ein einzelner Baum, ein Haus oder ein Felsen gut erkennbar ist. Probiere einen Ausschnitt mit diesem Element nahe der linken Linie. Führt die rechte Bildhälfte weiter in die Szene oder konkurriert sie mit dem Motiv? Verkleinere bei starker Konkurrenz den Ausschnitt oder wähle eine ruhigere Blickrichtung.
Entscheide außerdem, ob Himmel oder Boden interessanter sind. Erzählen die Wolken die Geschichte, kann der Horizont nahe der unteren Linie liegen. Sind Felder oder ein Weg wichtiger, probiere die obere Linie. In hügeligem Gelände muss nicht jeder Hang einer waagerechten Linie folgen. Entscheidend ist das ganze Bild.
Porträt: um die Person herum komponieren
Für ein Porträt am Fenster sollte die Person bequem sitzen. Schaut sie nach rechts, probiere einen Platz im linken Bildbereich mit mehr Raum vor dem Blick. Ein Auge kann ein wichtiger Bezugspunkt sein. Bewege das Handy aber nicht so lange, bis der natürliche Gesichtsausdruck verschwunden ist.
Kontrolliere die Kontur von Kopf und Schultern. Eine Schrankkante direkt hinter dem Gesicht kann mehr stören als eine ungenaue Ausrichtung am Raster. Bei einem engen Porträt kann die Mitte besser passen. Betrachte die Person und den Bildaufbau gemeinsam.
Ein Gegenstand auf dem Tisch: Raum für Zusammenhang
Stell dir eine orange Tasse auf einem hellen Tisch vor. Beginne mit der Tasse am unteren linken Schnittpunkt. Rechts bleiben etwas Tischfläche und ein weicher Schatten. Prüfe vor der Aufnahme, ob der Henkel vollständig im Bild liegt und die Tischkante die Tasse nicht unglücklich schneidet.
Geht es um das Muster der Tasse, geh näher heran und verzichte auf etwas Umgebung. Soll ein ruhiges Frühstück anklingen, kann ein kleines Stück Serviette helfen. Jedes zusätzliche Element sollte deine Absicht unterstützen, statt nur ein leeres Feld zu füllen.
Drei häufige Fehler und kleine Korrekturen
Das Motiv trifft den Schnittpunkt, ist aber winzig. Korrektur: Geh näher heran oder wähle einen engeren Ausschnitt. Prüfe dann die Position erneut. Das Raster bestimmt nicht die passende Motivgröße.
Die freie Bildhälfte zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich als das Motiv. Korrektur: Suche nach hellen Flecken und markanten Formen. Verändere den Blickwinkel, bis sie nicht mehr dominieren. Freiraum und zufällige Ablenkungen sind nicht dasselbe.
Die perfekte Ausrichtung kostet den Moment. Korrektur: Halte zuerst die Szene fest, die dich angesprochen hat. Mache eine weitere Variante, wenn die Situation es erlaubt. Ein flüchtiger Ausdruck oder eine Geste kann wichtiger sein als die genaue Position.
Wann ist die Mitte die richtige Wahl?
Probiere eine zentrale Anordnung bei symmetrischen Türen, einer Spiegelung in ruhigem Wasser oder einer Person, die direkt in die Kamera schaut. Die Mitte kann Ordnung oder unmittelbaren Kontakt betonen. Verschiebe das Motiv nicht allein deshalb, weil du die Drittelregel kennst.
Vergleiche beide Varianten in ähnlicher Größe. Wähle die Aufnahme, die deine Absicht besser ausdrückt. Eine gute Begründung lautet etwa: Hier bevorzuge ich die Mitte, weil die Symmetrie das Interessante ist. Das ist eine bewusste fotografische Entscheidung.
Kurze Übung: ein Motiv, drei Ausschnitte
Wähle ein unbewegtes Motiv und halte Licht sowie Abstand möglichst ähnlich. Fotografiere drei Varianten: Motiv in der Mitte, nahe der linken und nahe der rechten Linie. Verzichte zunächst auf Filter, damit du die Komposition selbst beurteilen kannst.
Frage bei jedem Bild: Was sehe ich zuerst? Was trägt die Umgebung bei? Lenkt mich etwas unnötig ab? Wähle deinen Favoriten und ergänze: Diesen Ausschnitt mag ich lieber, weil … Eine konkrete eigene Beobachtung bringt mehr als das bloße Abhaken einer Regel.
Nimm diese Beobachtung mit zu Take PRO
Wähle beim nächsten Fotografieren zuerst dein Hauptmotiv. Take PRO für iPhone unterstützt dich mit Hinweisen während des Fotografierens bei der Arbeit am Bildausschnitt. Nutze die App als Hilfe für deine eigene Entscheidung: Du wählst das Foto, das du behalten möchtest.
Die App-Oberfläche ist auf Englisch. Aktuelle Verfügbarkeit und Bedingungen findest du im App Store. Die Übung auf dieser Seite kannst du auch mit der Systemkamera machen.
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